Der 1. Kyu ist die erste Graduierung mit schriftlicher Prüfung – ein wichtiger Übergang. Die Prüfungskommission erwartet mehr als Bewegungsausführung: das Verständnis der Form.
Quellen: DKyuB Prüfungsordnung Kyu · K.O.-Kriterien DKyuB
Quelle: Basistexte Heki, Vorwort S. 2 · hekiryu.de
Die Heki Ryu entwickelte sich aus dem Hosha, dem Schießen zu Fuß – dem Bogenschießen auf dem Schlachtfeld. Sie wird daher auch Heki Tō Ryū genannt. Begründet wurde die Insai Ha-Linie von Herrn Insai.
Im Deutschen Kyudo Bund existieren zwei Hauptstilrichtungen: Shomen (vorderes Heben) und Heki/Shamen (seitliches Heben). Bei ANKF-Prüfungen gelten bis zum Torikake die ANKF-Regeln; ab dem Torikake ausschließlich die Regeln der Heki-Insai-Ha.
Die Hassetsu sind die acht Formen des Bewegungsablaufes. Jede ist eine eigene Station – zugleich aber fließend verbunden, vergleichbar einem Zug, der Bahnhöfe passiert, ohne anzuhalten.
Ashibumi legt die Beziehung zwischen dem Körper und dem Ziel fest. Durch ein korrektes Ashibumi soll der Körper im Augenblick des Auslösens seine stabile Stellung beibehalten können.
Der Oberkörper über dem Becken wird auf der Fußposition natürlich aufrecht und stabil aufgebaut. Dōzukuri muss fest, aber ohne Verkrampfung sein. Das Becken ist das Zentrum des Körperschwerpunkts.
→ Senkrechte der Körpermitte schneidet Fuß-, Becken- und Schulterlinie im rechten Winkel.
Die rechte Hand in geschlossener Torikake-Stellung ruht etwas unterhalb des Nabels – in früherer Zeit auf dem Griff des Wakizashi (Kurzschwert).
Yūgamae besteht aus drei Teilschritten:
Uchiokoshi bezeichnet das Emporheben des Bogens. Diese Position schafft die geeignete Ausgangsstellung zum Öffnen.
Sanbun no Ni bedeutet „zwei von drei". Es ist der zweite von drei Auszügen:
Kontrollpunkt für alle wesentlichen Positionen: Nakaoshi-Form, Sehnenbahn (Tsurumichi o Tadasu), Kräfteverteilung links/rechts, Schulterposition, Einschätzung des Ziels.
Die vier Positionen müssen zu einem Zeitpunkt alle vorhanden sein – sie müssen nicht im selben Moment erreicht werden, aber im Tsumeai gleichzeitig bestehen:
Das Maximum des Nobiai. Heißt wörtlich „den Bogen ziehen bis zum Vollen". Dies ist der richtige Moment für das Auslösen.
Hanare ist das Auslösen der Sehne aus der Daumengrube des Handschuhs.
Im Nobiai ist der Oberkörper zwischen Bogen und Sehne „gezwängt". Durch Tsunomi, Öffnen des rechten Arms und Tai no Warikomi wird der Oberkörper schnell nach vorne bewegt – maximale Pfeilkraft.
Im Zanshin entsteht das „6. Kreuz": Bogen und rechter Arm bilden eine Linie, die mit dem Pfeilweg ein Kreuz bildet. Darauf wird bei der 1. Kyu-Prüfung besonders geachtet.
Quelle: Basistexte Heki, S. 6 (3 Kreuze im Dōzukuri) · Shomen GT, S. 11 (5 Kreuze)
Die Kreuze sind rechtwinklige Beziehungen zwischen Körperlinien und Geräten – ein zentrales Konzept für die Prüfung. Sie entstehen sequenziell: die 3 Kreuze im Dōzukuri, alle 5 im Kai.
Entstehen bereits im Dōzukuri
→ Körper steht aufrecht und achsensymmetrisch über dem Stand
Alle 5 müssen im vollen Auszug erreicht sein
Bei der 1. Kyu-Prüfung wird explizit auf dieses 6. Kreuz geachtet.
Wer die eigene Stilrichtung erklären kann, zeigt Tiefe. Die folgende Übersicht hilft, die Besonderheiten der Heki Ryu Insai Ha zu verorten.
| Aspekt | Heki Ryu Insai Ha | Shomen |
|---|---|---|
| Bogenheben (Uchiokoshi) | Seitlich (Shamen) – Bogen wird diagonal vor dem Körper angehoben | Zentral – Bogen wird gerade vor der Körpermitte gehoben |
| Blickführung beim Yu | Blick wird zum Mato gehoben | Blick bleibt am Boden (4–5 m vor dem Schützen) |
| Tenouchi-Form | Momiji Gasane (Ahorn-Griff) – spezifischer Heki-Griff | Nakaoshi (mittiges Drücken) |
| Führende Hand Uchiokoshi | Rechte Hand führt beim Heben | Rechte Hand führt (je nach Schule) |
| ANKF-Prüfungen | Bis Torikake: ANKF-Regeln; danach ausschließlich Heki-Insai-Ha-Regeln | Durchgehend ANKF-Regeln |
| Historischer Ursprung | Hosha – militärisches Schießen zu Fuß | Zeremonielles Schießen (Ogasawara-Tradition) |
| Lehrschriften | Mokuroku, Hika, Mugonka | Shaho-Hassetsu (ANKF), Kyudo Manual |
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